15.12.2007
Ausgabe 6/2007, S. 6
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Patiententypen

Kinder und Jugendliche

Beim Umgang mit Kindern ist vor allem eins wichtig: Nehmen Sie die kleinen Patienten ernst.
Comic-Zeichnung

Serie Patiententypen

In dieser Serie geben wir Tipps zum Umgang mit schwierigen Patienten und besonderen Patientengruppen.

Kinder kommen nie freiwillig zu Ihnen in die Praxis, sondern weil die Eltern sie mitnehmen. Statt zu Hause oder im Kindergarten mit Freunden zu spielen, sitzen sie jetzt im Wartezimmer. Und das ist erst einmal todlangweilig.

In Praxen mit höherem Kinderanteil gibt es deshalb oft Spielecken. Aber auch wenn Ihre Praxis dazu keinen Platz vorsieht, können Sie etwas für die Unterhaltung der Kinder tun. Wo für die Erwachsenen Zeitungen und Zeitschriften ausliegen, sorgen zwei oder drei Kinderbücher und ein paar Malstifte auch bei den Kleinen zumindest vorübergehend für etwas Abwechslung.

Versuchen Sie die Wartezeiten kurz zu halten, etwa indem Sie für Kinder randständige Termine vergeben. Denn spätestens nach zehn Minuten ist auch das spannendste Kinderbuch langweilig und der kleine Patient sucht sich eine andere Beschäftigung. Das kann zum Beispiel eine Erkundungstour durch Wartezimmer und Rezeption sein, schließlich gibt es hier viel zu entdecken. Dabei sind Sie als Kommunikationspartner immer gefragt, gleich ob das Kind mit der Frage „wer bist denn Du?“ auf Sie zukommt oder nur erwartungsvoll neben dem Tresen steht. Sprechen Sie das Kind wenn möglich immer mit seinem Namen an und benutzen Sie eine „Eisbrecherfrage“, etwa nach seinem Lieblingstier oder nach einer Fernsehsendung.

Kommt die Sprache auf die bevorstehende Untersuchung oder Behandlung, erklären Sie am besten spielerisch, was gemacht werden soll. Und sagen Sie dem Kind immer die Wahrheit. Wenn Sie etwa wissen, dass eine Impfung ansteht, dürfen Sie nie sagen, die Spritze würde nicht weh tun. Sagen Sie lieber: „Das tut ein bißchen weh.“ Der schlimmste Vorwurf hinterher kann dann lauten: „Das war aber mehr als nur ein bißchen...“

Genauso wichtig ist der Umgang mit der Begleitperson, denn sie hat großen Einfluss auf das Verhalten des Kindes. Eine ängstliche Mutter oder ein hektischer Vater machen schnell auch das Kind nervös. Versuchen Sie daher, gelassen zu reagieren und alle gemeinsam anzusprechen.

Allein zum Arzt?

Jugendliche sehen selten eine Notwendigkeit zum Arzt zu gehen, entsprechend tauchen sie nur bei akuten Krankheiten in der Praxis auf. Oft werden Jugendliche von den Eltern begleitet, obwohl ihnen das vielleicht eher unangenehm ist. Dann stellt sich immer die Frage: Soll die ärztliche Untersuchung mit oder ohne Eltern stattfinden? Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt und die richtige Antwort ist auch vom Alter abhängig. Zu Beginn der Pubertät sollten beide Möglichkeiten gleichwertig angeboten werden. Idealerweise hat der Jugendliche dann die Möglichkeit zu entscheiden.

Ab Mitte der Pubertät, bei Mädchen etwa ab 13, bei Jungs ab 14, ist es dann eher normal, dass der Jugendliche alleine zur Untersuchung geht. Wenn Jugendliche mit Eltern in die Praxis kommen, sollten Sie das Thema auf jeden Fall bei der Anmeldung schon ansprechen. Zum Beispiel mit folgender Formulierung: „Bitte sprechen Sie sich ab, ob sie zusammen ins Untersuchungszimmer gehen möchten oder der Patient alleine.“ Erfahrungsgemäß nehmen pubertierende Jugendliche das gleichgeschlechtliche Elternteil eher mit zur Untersuchung als das gegengeschlechtliche.