04.12.2008
Ausgabe 6/2008, S. 6
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Typen im Team

Der Erbsenzähler

Sie sind rechthaberisch und wollen kontrollieren – trotzdem kann man mit pedantischen Chefs oder Kolleginnen durchaus zurecht kommen. Wir sagen wie.
Comiczeichnung Erbsenzähler
Grafik: Marius Pawlitza

Serie Typen im Team

In dieser Serie geben wir Tipps zum Umgang mit schwierigen Chefs und Kolleginnen.

Angeblich verdanken wir den umgangssprachlichen Begriff des Erbsenzählers dem „Erfinder“ des Reiseführers, Karl Baedeker. Beim Besteigen des Mailänder Doms soll er alle 20 Stufen eine trockene Erbse von der linken in die rechte Hosentasche gesteckt haben. Mit 20 multipliziert, ergab die Zahl der Erbsen plus Reststufen die präzise Stufenangabe für den späteren Reiseführer, die er aber auf dem Weg nach unten noch einmal überprüfte. Womit wir auch schon bei den positiven Eigenschaften sind: Zuverlässig arbeiten, saubere Ergebnisse liefern und Abmachungen unbedingt einhalten.

Richtig nennt man einen solchen Typ wohl eher einen Pedanten. Pedanten haben stets einen penibel aufgeräumten Schreibtisch und würden am liebsten alles selbst machen. Deshalb sind sie mit der Arbeit anderer nie zufrieden und halten ihre übertriebene Sorgfalt und Kontrollsucht auch noch für eine besondere Tugend. Als Chef neigen sie zu einem autoritären Führungsstil, als Kollegin zur Besserwisserei.

Doch fangen wir vorn an: Zum Glück ist nicht jeder ordentliche und zuverlässige Mensch ein Pedant. Gerade in einer Arztpraxis sind hoch strukturierte Arbeitsabläufe ein Schlüssel zum erfolgreichen Arbeiten, auch alle Qualitätsmanagementansätze zielen darauf ab. Doch es ist natürlich, dass man ab und an Entscheidungen treffen muss, die vom schnurgeraden Weg abweichen. Und genau das können Pedanten nicht. Als Chefs leiden sie unter dem Zwang, Mitarbeiter so zu kontrollieren, dass dort kein Funke von Eigeninitiative und Eigenverantwortung aufkommt. Ihr Verhalten ist genauso steif und unbeweglich wie ihr Auftreten. Sie ersticken Eigeninitiative im Keim und sind klassische „Ausbremser“ von selbstständigen Mitarbeitern.

Mut zur Offenheit

Wenn Sie als Mitarbeiterin nur so vor Ideen sprühen, haben Sie es dort nicht leicht. Doch bevor Sie die Flinte ins Korn werfen, sollten Sie es mit einem offenen Dialog versuchen. Der Pedant kontrolliert gerne, wie weit Sie denn nun mit Ihrer Arbeit sind. Hier kann es durchaus erfolgversprechend sein, ihn mit der Frage zu konfrontieren, ob er Ihrer Leistung nicht vertraut? Das erfordert zwar eine Menge Mut von Ihrer Seite. Es bringt ihn aber sicher dazu, über die Situation nachzudenken, denn offene Diskussionen über sein Verhalten meidet der Pedant wie der Teufel das Weihwasser. Schaffen Sie eine Situation, die ihm die Konsequenzen seiner Kontrollsucht möglichst krass vor Augen führt.

Ganz schwierig ist es, wenn pedantische Chefs selbst unter Zeitdruck geraten und dann versuchen, den Druck an die Mitarbeiter weiterzugeben. Dann stehen Sie als Team zwischen allen Stühlen. Arbeiten Sie pedantisch, werden womöglich Termine verpasst. Arbeiten Sie aber schnell, steigt die Fehlerwahrscheinlichkeit. Lassen Sie diese Art von Druck also nicht zu. Weisen Sie den Chef darauf hin, dass die von ihm verlangte Detailarbeit eben ihre Zeit benötigt: „Wenn das Ihr Zeitplan ist, glaube ich nicht, Ihrem Perfektionsanspruch genügen zu können. Was schlagen Sie vor?“ Eine vertrauensbildende Maßnahme ist es, wenn Sie ihm unaufgefordert Zwischenergebnisse präsentieren. Das mindert seine Angst vor Kontrollverlust.

Bei einer Kollegin ist es meist einfacher, sie von ihrem Horrortrip abzubringen. Schenken Sie ihr Zuwendung – eindeutig das beste Mittel – und versuchen Sie, ihre Talente zu nutzen. Sie sollte Aufgaben übernehmen, die viel Sorgfalt erfordern, etwa bei Teambesprechungen Protokoll führen. Dafür ersparen Sie ihr wo es geht plötzliche Konfrontationen mit neuen Situationen. Lassen Sie ihr Zeit, sich an Dinge zu gewöhnen – Pedanten müssen erst einmal alles in Ruhe durchdenken.

RM