20.10.2009
Ausgabe 5/2009, S. 10
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Kopfläuse im Anmarsch

Noch ein Lausbub?

Wenn es kräftig am Kopf juckt, sind oft kleine Parasiten der Grund. Kopfläuse sind auf dem Vormarsch und teilweise schon resistent gegen chemische Behandlungsmittel. Betroffen sind vor allem Kinder.
Junge mit Läusen
© Lucky Dragon– Fotolia.com
Eine Studie aus Kiel hat kürzlich einigen Wirbel ausgelöst: Dort hatte man im Rahmen einer Studie Kopfläuse untersucht und fand heraus, dass alle eine Genmutation tragen, die sie gegen bestimmte chemische Behandlungsmittel resistent macht. Insgesamt wurden bei knapp vier Prozent der etwa 2.000 Schul- und Kindergartenkinder von drei bis zwölf Jahren Läuse entdeckt.

Kopfläuse leben im Bereich der Kopfhaare – am liebsten hinter den Ohren, im Nacken oder an den Schläfen. Die Haut ist dort besonders dünn, und zwei-bis dreimal täglich saugen sie Blut aus der Kopfhaut. Diese Bisse verursachen einen Juckreiz. Meist befallen sie Kinder, die sie weiter verbreiten. Fast schon klassisch ist das epidemieartige Auftreten in Kindergärten und Schulen.

Kopfläuse können sich hervorragend an den Haaren festhalten, aber nicht fliegen –-und können daher nur durch direkten Körperkontakt übertragen werden. Infizieren kann man sich aber auch über gemeinsam benutzte Utensilien wie Kämme, Mützen oder Bettwäsche, wenn sie innerhalb kurzer Zeit gemeinsam benutzt werden. Lange Haare erhöhen die Läuse-Wahrscheinlichkeit nicht. Sie machen es aber schwieriger, sie zu finden. Läusebefall hat übrigens nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, die kleinen Krabbler mögen saubere Kinder genauso gerne wie schmutzige. Trotzdem ist es leider ein weit verbreitetes Vorurteil, sie hätten mit mangelnder Sauberkeit zu tun.

Entdecken und bekämpfen

Das einzige sichere Zeichen dafür, dass ein Kind Läuse hat, ist, eine lebende Laus zu finden. Das ist oft schwierig, weil die Tiere nur zwei bis drei Millimeter groß sind. Eher findet man Nissen, das sind die Eier, die Lausweibchen in die Haare legen. Beim sorgfältigen Kämmen der feuchten Haare können Läuse und Nissen am besten entdeckt werden.

Da Läuse nicht von selbst verschwinden, ist eine Behandlung notwendig – am besten durch die Kombination von nassem Auskämmen und der Behandlung mit einem Kopflausmittel nach einem festgelegten Schema. Man sollte auf die Zusammensetzung achten – einige enthalten Insektizide. Alternativ gibt es eine Silikonverbindung mit dem Namen Dimeticon. Es wirkt, indem Läuse und Nissen erstickt werden. Die Substanz wird nicht über die Haut aufgenommen und verursacht weniger Hautreizungen als Lösungsmittel. Der Behandlungserfolg ist nach den vorliegenden Studien genauso gut wie mit Lösungen auf Insektizidbasis und beginnt schon mit der ersten Behandlung. Zur vollständigen Abtötung ist eine zweite Behandlung nach neun Tagen nötig. Eine Resistenzbildung der Läuse ist nicht möglich.

Je nach Präparat sind leicht entzündliche Verbindungen enthalten. Daher ist es wichtig, die Behandlung fern von offenen Flammen (zum Beispiel Kerzen, Kamin, Gasherd) oder glühenden Drähten (zum Beispiel Fön) durchzuführen. Sonst kann es zu Verbrennungen am Kopf kommen. Zur Vorbeugung gegen Neuansteckung sind ergänzende Maßnahmen notwendig. Bettwäsche ist bei mindestens 60 °C zu waschen, Kämme und Bürsten taucht man für eine halbe Minute in heiße Seifenlösung. Bekleidung kann für vier Tage in einem verschließbaren Plastikbeutel belassen werden, um Läuse und Larven auszuhungern.

Eltern müssen über einen Kopflausbefall informieren und sofort mit einer sachgerechten Behandlung beginnen. Kindergärten oder Schulen müssen Läusebefall an das zuständige Gesundheitsamt melden. Ein ärztliches Attest zur Bestätigung des Behandlungserfolges ist nicht erforderlich, wenn vorausgesetzt werden kann, dass die oben beschriebenen Maßnahmen erfolgreich durchgeführt wurden.